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A u s z ü g e L e s e n
Kostbare Dialoge mit 16 indischen Meistern
über die Lehre von Sri Ramana Maharshi.
Auszüge herunterladenHier klicken, um Auszüge des formatierten Buchs zu sehen oder herunterzuladen (pdf 464 kb). Drei Kapitel mit Farbbildern: of the formatted book as a pdf (451 kb) consisting of three chapters with Kiran, Radha Ma und Ramesh Balsekar. Sie können auch hier Auszüge lesen:KiranKiran ist 1941 geboren und studierte Hindu-Philosophie am Sanskrit -College in Thane. Obwohl er seit 1967 Anhänger von Osho war, führte er sein Leben mit Beruf und Familie weiter. Nachdem Osho 1981 Indien verlassen hatte und in die USA gegangen war, suchte Kiran verschiedene andere Gurus auf, zu denen auch U.G. Krishnamurti gehörte, der ihn stark beeinflusste. Ab 1993 begann Kiran, selbst zu unterrichten. Er verließ im Alter von 65 Jahren im März 2006 seinen Körper. Das Interview mit Kiran fand 2004 statt. Bei diesem ersten und einzigen Treffen mit ihm saß Kiran ganz entspannt auf einer Bank, die von der Decke seines geräumigen Wohnzimmers hing, und schaukelte sanft hin und her. Einige seiner indischen Schüler waren auch anwesend. Als ich ihn nach seinem Lebenslauf fragte, antwortete er sofort: ?Ich habe keinen Lebenslauf." Man spürte, dass er ganz bei sich war. Kiran war sowohl ein moderner spiritueller Lehrer, als auch Geschäftsmann und Familienvater. ... Gibt es irgendwelche Voraussetzungen für die Erleuchtung? Ist eine Sadhana (spirituelle Disziplin) notwendig? Und wenn ja, welche Form würdest du vorschlagen? Welche Voraussetzungen? Du musst lebendig sein, das ist alles. Die meiste Zeit sind wir das nicht, wir sind eher tot, auch weil wir so stark an die Vergangenheit angehaftet sind. Für das Erwachen, die Erleuchtung, ist vor allem notwendig, dass du lebendig bist wie eine Blume, wie ein Vogel, wie ein Kind. Schau dir ein Kind an! Kannst du es sehen? Wie kannst du lebendig sein, ohne vollkommen frei zu sein von der ganzen toten Vergangenheit, ohne offen zu sein für das Jetzt, diesen einen Moment? Nur wenn du mit ihm verbunden bist, bist du wirklich lebendig. Aber wir sind nicht mit dem Hier verbunden, sondern mit der Vergangenheit. Wir sehen die Gegenwart durch die Augen der Vergangenheit und träumen von der Zukunft. Lebendig zu sein bedeutet, jetzt berührbar zu sein. Lebendig zu sein bedeutet, dass das Leben im Inneren nur so sprudelt, dass du mit deinem ganzen Wesen singst und tanzt, und das einschließlich all deiner Probleme. Sei spontan - das ist die einzige Voraussetzung! Gibt es eine Sadhana ? Gibt es einen Weg? Es gibt keinen Weg,
den Weg kreiert sich der Verstand selbst. Es ist, wie in den Himmel fliegen.
Der Himmel ist offen, er ist frei, du musst nur deine Flügel ausbreiten
und springen. Wenn du fliegst, gibt es keinen Weg. Es gibt keine Sadhana ,
die du tun müsstest. Tue es einfach, dieses Geschenk gehört dir
von Geburt an. Erleuchtet zu sein basiert nicht auf irgend- Der Zweck einer Sadhana ist es, den Verstand zu lenken. Dann beginnst du die Reise durch den Verstand. Der Verstand muss so müde sein, dass er an einem bestimmten Punkt tot umfällt. Die ganze spirituelle Praxis arbeitet darauf hin, körperlich und mental so müde zu werden, dass du erkennst, dass du mit allem was du gemacht hast, nichts erreichen konntest. Das ist der Punkt, an dem du die Suche selbst in Frage stellst. Es gibt nichts, was dich irgendwo hinbringen könnte, denn da ist nichts. An dem Punkt beginnt die Reise. Die äußere Reise beginnt, wenn du dich aufmachst, die innere Reise hingegen, die Sadhana , wenn du innehältst. Da gibt es keine Bewegung. Setz dich nur still hin und tue nichts. Das ist die Sadhana . Ein anderer Pfad, der für den Verstand attraktiv ist, ist Yoga , der Pfad des Suchers. Dabei tust du etwas, so dass der Verstand ganz langsam an Stärke gewinnt, sehr viel Stärke sogar, und an einem bestimmten Punkt explodiert er. Wenn er jedoch explodiert, dann ist es ein Feuerwerk der Kraft, das dazu führt, dass er noch stärker wird. Es gibt Yogis (Menschen, die Yoga praktizieren), die wirklich große übernatürliche Kräfte, Siddhis , besitzen, ein sehr starkes Ego und sehr große mentale Macht haben. Sie können Menschen kontrollieren, sie können hypnotisieren, sie können viele Wunder vollbringen - Chamatkar , und das ist für den Verstand sehr anziehend. Die meisten Menschen sind von den spirituellen Praktiken sehr angezogen, weil sie denken, dass sie dadurch am Ende Erleuchtung finden. Sie erreichen gewisse Fähigkeiten und Kräfte, die wir Siddhis nennen, und glauben fälschlicherweise, dies sei ein Teil der Erleuchtung. Erleuchtung jedoch ist der Zustand eines Buddha (Erleuchteten), das wirkliche und vollständige Verstehen. Deshalb frage ich immer: Suchst du nach Macht oder suchst du Frieden? - In Wirklichkeit suchen wir alle nach Frieden. Erst wenn du den Pfad des Friedens wirklich verstehst, ist es möglich, dich zu entspannen. Nimm dich an, wie du bist! - das ist die Botschaft, die ich in den letzten zehn Jahren mit den Menschen geteilt habe. Nimm an, wo du bist und was du hast! Indem du akzeptierst, wie du bist, beendest du alle spirituellen Reisen und alle Übungen. Diese Übungen machst du schließlich nur, weil du mit dir selbst nicht zufrieden bist; du akzeptierst dich nicht, wie du bist. Du willst ?jemand" werden. Du willst irgendwo ankommen, etwas erreichen; wie ein Buddha werden vielleicht. Also beschreitest du den Weg einer spirituellen Praxis. Wenn du dich ganz annimmst, was ist dann der Sinn einer spirituellen Übung? Du bist, wie du bist. Ruhe in dir selbst und mit dir selbst, und die Liebe beginnt zu fließen. Jede spirituelle Übung beginnt mit Hass, mit Zurückweisung, mit Nichtannehmen, andernfalls kannst du keine spirituelle Praxis ausüben. Nimm dich selbst an! Dich einfach im Innern zu entspannen, ist der Beginn eines ersten Schrittes. Wenn du dich vollkommen annimmst, wird etwas auftauchen. Denn der Verstand, der immer etwas tun will, hat plötzlich nichts mehr zu tun. Ansonsten schafft er sich immer Aufgaben, spirituelle, weltliche oder andere, den Zielen entsprechend, die er sich ebenfalls selbst geschaffen hat. Die spirituelle Praxis ist also eine Sache des Verstandes. In dem Augenblick, in dem du dich vollkommen annimmst, hat der Verstand keine Aufgabe mehr, weil da niemand mehr ist, der etwas tut. Wenn du beginnst, in dem Verständnis zu leben, alles was du bist, sei absolut in Ordnung, dann ist der Verstand hilflos und das Ego ebenfalls. Ramana pflegte immer zu fragen: ?Wem geschieht dies gerade?" Doch auf diese Frage gibt es keine Antwort. Und das beginnst du zu sehen. Du siehst, dass dein Verstand, in dem das alles geschieht, nur ein Trugbild ist. Du gelangst schließlich zum Zentrum des Gewahrseins, deinem natürlichen Zustand, zu dem, was du wirklich bist. Dann beginnst du, in diesem Verständnis zu leben. Dieses Annehmen ist gleichzeitig die Entfaltung von Verstehen, und ohne irgendeine spirituelle Praxis erscheint plötzlich Klarheit. Ich ermutige deshalb nicht zu spirituellen Übungen, aber ich rate auch nicht davon ab. Du musst dich selbst entscheiden. Auch ich habe jede Menge spiritueller Praktiken ausgeübt, bis ich an einem bestimmten Punkt die Nase voll hatte. Jedoch muss man sehr, sehr ehrlich mit sich sein, denn der Verstand ist listig und sehr trickreich. Er wird dir erzählen, dass du Fortschritte machst, eingebildete Erfahrungen geschehen und du beginnst zu glauben, kurz vor dem Erwachen zu stehen. ?Mach weiter! Schon in einem Jahr bist du wahrscheinlich erleuchtet, vielleicht schon morgen." Doch dies alles ist ein Spiel des Verstandes. Ich bin da auch durchgegangen, ich kenne es. Das spirituelle Leben verlangt Ehrlichkeit mit sich selbst. Nur das weltliche Leben verlangt Ehrlichkeit gegenüber anderen. Sei ehrlich mit dir selbst und gestehe dir ein, dass sich sogar nach jahrelanger Meditation und spirituellen Übungen nichts wirklich verändert hat, dass du derselbe bist wie zuvor. Doch wer hat dazu schon den Mut? Wir alle haben diese Vorstellungen von großen Veränderungen. Doch die Veränderungen, die du siehst, sind keine wirklichen Veränderungen. Sie sind vorübergehend. Das ist wie bei einer Schmerztablette: Du nimmst sie und Wow! der Schmerz ist verschwunden. Und dann? - Die Ursache deines Schmerzes ist noch immer da. Bei den ganzen spiri-tuellen Übungen ist es genauso: Indem sie den Verstand austricksen, bescheren sie dir eine vorübergehende Erleichterung. Und der Verstand macht dich auch noch glauben, dass etwas geschehen ist. Du solltest dir deshalb absolut klar darüber sein, was du wirklich suchst. Sei ehrlich und schau hin! Bist du entspannt, wenn du dich mit dem Leben verbindest? Oder kommt Unruhe auf in Hinblick auf das Leben da draußen, das Reaktionen in deinem Verstand hervorruft? Schau nach innen und sieh selbst, dann wirst du bald herausfinden, dass es dich gar nicht gibt, und du wirst irgendwann genug davon haben. Wie viele Jahre hast du damit verschwendet? Zu wie vielen Meistern bist du gegangen? Wie viel Zeit hast du mit dem Betteln um Erleuchtung verbracht? Ein Sufimeister hat mich richtig aufgeweckt mit der Frage: ?Wonach suchst du? Was willst du im Leben?" ?Ich will glücklich sein, ich möchte Frieden.", antwortete ich. ?Dann frage dich, warum du unglücklich bist, statt nach Frieden zu
suchen. Bleibe bei dir selbst. Beobachte, sei achtsam und frage dich: ?Warum
bin ich unglücklich? Warum bin ich krank?" Finde das heraus, statt
nach Gesundheit zu suchen. Das ist schon die ganze spiritu- Ich sage nicht, dass Sadhana nicht hilft, doch sie hat ihre Grenzen. Wenn du voller Schmerzen und Frustration bist, brauchst du ein Schmerzmittel, eine Art Technik oder Methode als Medikament, das dir die unmittelbaren Schmerzen nimmt, auch wenn das noch nicht die Heilung bedeutet. Das musst du verstehen, ansonsten wirst du ab-hängig werden von dem Schmerzmittel. Warum solltest du jeden Morgen meditieren? Manche Leute tun das sogar Jahrzehnte lang. Wozu? Wenn es zur Heilung führen soll, muss die Technik oder Methode an einem bestimmten Punkt fallengelassen werden. Sie sollte dich gesund machen. Tut sie es nicht, wirkt sie nur wie eine Droge und führt in die Abhängigkeit. Den ganzen Tag stopfst du so viele Dinge in dich hinein, so dass dein Verstand dann voller Frustration und Anspannung ist. Deshalb solltest du unbedingt verstehen: Sadhana funktioniert zwar bis zu einem gewissen Punkt und bringt dir eine vorübergehende Entlastung, doch ist das keine Heilung. Ich sage das, weil ich da durchgegangen bin und viele meiner Freunde auch. Nur ein tiefes Verstehen bedeutet Erwachen. Verstehen, warum du krank bist, warum du frustriert bist, warum du unglücklich bist. Verstehe es, finde den Grund für dein Unglück. In dem Moment, in dem du es verstehst, kennst du auch das Heilmittel. Dann bist du frei, wirklich frei. Diese Freiheit ist dein natürlicher Zustand. Es geht nicht darum, sie zu finden. ... |